FDP Ortsverband Owschlag

Pressemitteilungen vom 28.07.2011:

Alten-Pflege: Warten auf das neue Gesetz

28. Juli 2011 | 04:40 Uhr | Von Detlef Laabs

Christine Aschenberg-Dugnus, pflegepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, besuchte Pflege-Einrichtungen im Kreisgebiet

Immer mehr Schriftliches, immer weniger Zeit für Pflege am Menschen, ein großer Mangel an Fachkräften und ein Berufsbild, das in der Öffentlichkeit einen niedrigen Stellenwert hat: Die Situation in der Altenpflege ist insgesamt angespannt. Viele Gründe für Christine Aschenberg-Dugnus, pflegepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, sich selbst ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Die ehemalige Kreistagsabgeordnete aus Strande ist direkt an den Vorbereitung für das neue Gesetz beteiligt. In dieser Woche besuchte sie Pflegeheime in Pinneberg, Hohenwestedt und Wahlstedt. Bei ihrer letzten Station, dem Pflegeheim "Am Park" in Büdelsdorf, einer Einrichtung der Stadt Büdelsdorf in Kooperation mit der "Brücke", berichtete die FDP-Bundestagsabgeordnete im Gespräch mit der Landeszeitung über den aktuellen Stand der politischen Debatte und sprach über ihre eigene Pflege-Philosophie.

"Nach den zahlreichen Gesprächen mit Interessenverbänden und den offenen Bürgersprechstunden verständigen sich die Koalitionsfraktionen und das Ministerium gerade auf ein gemeinsames Eckpunktepapier", erklärte Christine Aschenberg-Dugnus. Dieses Papier werde voraussichtlich im September veröffentlicht. Danach sei eine zügige Umsetzung in einen Gesetzestext vorgesehen. Das Gesetz selbst solle spätestens im zweiten Quartal 2012 abschließend beraten werden und in Kraft treten, erklärte die FDP-Politikerin.

Dass viele Heime - auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde - unter Fachkräftemangel litten, sei nicht zu bestreiten, sagte die Bundestagsabgeordnete. "Wir arbeiten zurzeit intensiv daran, das Image des Pflegeberufs attraktiver zu gestalten, um ihn für die jungen Auszubildenden interessanter zu machen. Die Rücksprache mit Praktikanten und Auszubildenden aus den Pflegeberufen zeigt, dass dieser Beruf durchaus Reize hat. Das muss auch in der Außendarstellung klar aufgezeigt werden."

Dass der Fachkräftemangel mit Hilfe von Leiharbeitsfirmen vorübergehend kompensiert werde, sieht sie gelassen: "Es herrscht zurzeit ein starker Mangel an Fachkräften. Daher kommen auch verstärkt Arbeitsverhältnisse über Leiharbeitsfirmen zu Stande. Der Trend mehrt sich, dass aus diesen flexiblen Anstellungsformen auch langfristige Arbeitsverhältnisse entstehen, was aus unserer Sicht zu begrüßen ist." Die genaue Zahl der fehlenden Fachkräfte und der vorhandenen Ausbildungsplätze würden gerade ermittelt. "Wir werden angesichts der immer größeren Erfordernisse zukünftig nicht daran vorbei kommen, verstärkt auch ausländisches Fachpersonal in der Pflege einzusetzen. Daher arbeiten die Fraktionen auch verstärkt daran, vergleichbare hohe Qualifikationen auf europäischer Ebene zu erreichen", sagte die Bundestagsabgeordnete. Zu Überlegungen ihre Koalitionspartners, Hartz-IV-Empfänger zum Aushelfen in Pflegeheime zu schicken, meinte sie: "Der Fachkräftemangel führt dazu, dass auch neue alternative Wege diskutiert werden. Der hohe Standard von qualifizierter Ausbildung und Beschäftigung darf hierunter nicht leiden. Auch Hilfskräfte im Pflegebereich müssen entsprechende Schulungen durchlaufen."

Dass sich viele Heime über steigende Belastung durch Pflege-Dokumentationen beklagen, ist für die Bundestagsabgeordnete nichts Neues. Der Ruf nach Entlastung bei der Dokumentation dringe immer wieder an sie heran. "Wir müssen hier ein ausgewogenes Verhältnis zwischen berechtigtem Patienten-Interesse und der Entlastung der Pflegenden schaffen."

Verdrängen die Großen der Pflege-Branche die Kleinen? Muss man künftig "Pflege-Fabriken" befürchten? "Wie in anderen Wirtschaftsbereichen herrscht auch bei der Pflege Wettbewerb, den wir begrüßen. Ich habe bei den Gesprächen erlebt, dass in den Heimen vor Ort - gleich welcher Größe - gute Arbeit geleistet wird. Das zeigen auch die durchweg guten Bewertungen des Pflege-TÜVs. Wichtig ist für mich, dass den Bewohnern der Einrichtungen bestmögliche Gegebenheiten zur Verfügung stehen. Hierbei ist insbesondere der Einsatz der Pflegerinnen und Pfleger maßgeblich. Dies ist aus meiner Sicht unabhängig von Größe und Träger. Daher ist ein Fabrik-Stil in Schleswig-Holstein weder vorhanden noch zu befürchten."

Betreiber der Büdelsdorfer Seniorenwohnanlage am Park sind seit 1997 der Verein "Die Brücke" (60 Prozent) und die Stadt Büdelsdorf (40 Prozent). Einrichtungsleiter ist seit 2009 Thomas Wittke, Pflegedienstleiterin Carola Matzek. Beschäftigt sind 85 Mitarbeiter, davon 51 in der Pflege (24 Fachkräfte und 27 Pflegeassistentinnen). In der Pflege arbeiten knapp 38 Vollkräfte (Quote 54,69 Prozent). Zusätzlich sechs Auszubildende; Ziel für 2012: neun Auszubildende. Das Haus bietet 104 Plätze, davon 78 Einzelzimmer und 13 Doppelzimmer. 101 Plätze sind belegt (97 Prozent Belegung).

Die Wohnanlage wird zurzeit um 44 neue Plätze (3 Doppelzimmer, 38 Einzelzimmer) mit dem Schwerpunkt der Dementenbetreuung und Wohnungen für Menschen mit anderem Pflegebedarf für 3,5 Millionen Euro erweitert.

Thomas Wittke hält die zurzeit diskutierte Ausweitung der drei auf dann fünf Pflegestufen für wenig sinnvoll. Es sei zu erwarten, dass das Gesamtvolumen dann nur anders verteilt werde und damit ein höherer bürokratischer Aufwand notwendig wäre, da häufigere Einstufungs- bzw. Höherstufungsanträge erfolgen müssten.

Unter fehlenden Fachkräften leidet die Büdelsdorfer Anlage nicht. "Wir bilden selbst aus und bieten innerhalb des Unternehmnes Karrieremöglichkeiten an. Zudem sind wir ein attraktiver Arbeitgeber, unter anderem durch eine besondere Gesundheitsföderung. Wir erhalten ausreichend Bewerbungen von Fachkräften aus der Region. Der Anteil ausländischer Fachkräfte ist sehr gering", sagte Wittke.
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