FDP Ortsverband Owschlag

Pressemitteilungen vom 17.04.2013:

Brunsbüttel ist absurd

17. April 2013 | 00:05 Uhr | Von Christine Aschenberg-Dugnus
Auch wenn die grundsätzlichen naturwissenschaftlichen Fragen zur Lagerung von radioaktivem Müll weitestgehend beantwortet sind, wird es wohl nie einen Standort geben, der von sich aus als 100-prozentig optimal einzustufen ist. Denn um als optimal zu gelten, müsste so ein Standort auch von allen Anrainern akzeptiert werden. Ich halte es für richtig, bei der Suche nach einem Endlagerstandort die Bürger bei allen Verfahrensschritten weitgehend einzubinden, alles auf Null zu stellen und die Entscheidung auf Grundlage von fachlichen Argumenten zu treffen. Das muss aber auch für die Suche nach Zwischenlagern gelten.

Wenn der schleswig-holsteinische grüne Energiewendeminister Robert Ha beck nun Brunsbüttel als Zwischenlager für die zurückkehrenden Castorbehälter aus Wiederaufbereitungsanlagen in England und Frankreich vorschlägt, habe ich jedoch meine Zweifel daran, dass fachlich abgewogen wurde. Denn eine Zwischenlagerung in Brunsbüttel birgt eine Reihe von Gefahren, die an anderen Standorten nicht existieren. Zum einen haben die Castoren aus den Wiederaufbereitungsanlagen einen anderen Inhalt als die Castoren, die aus Kernkraftwerken in den Zwischenlagern am Kraftwerksstandort eingelagert werden. Die Wärmelast ist rund doppelt so hoch, so dass auf die Stellfläche von zwei Castoren aus den Kernkraftwerken nur ein Castor aus den Wiederaufarbeitungsanlagen platziert werden kann. Brunsbüttel ist dafür nicht gemacht und müsste entsprechend umgebaut werden. Hinzu kommt, dass das Kernkraftwerk Brunsbüttel zurückgebaut werden soll. An einem Ende soll also abgerissen, am anderen Ende aufgebaut werden? Das ist doch unsinnig, wenn man bedenkt, dass eine entsprechend ausgerüstete Anlage in Gorleben bereits vorhanden ist. Zudem müsste für Brunsbüttel ein neues Genehmigungsverfahren durchgeführt werden und der Betreiber veranlasst werden, überhaupt einen entsprechenden Antrag zu stellen. Durch solche etwaigen Genehmigungsverfahren und ggf. notwendige Umbaumaßnahmen entstünden erhebliche Kosten.

Im Übrigen finde ich es schon fast schizophren, Brunsbüttel auch nur ansatzweise ins Gespräch zu bringen. Denn es war ein partei übergreifender Konsens, das Kernkraftwerk Brunsbüttel wegen erheblicher Sicherheitsbedenken stillzulegen. Und es waren vor allem die Grünen, die die Zuverlässigkeit des Betreibers des Kernkraftwerks so vehement bezweifelt haben. Die damals eingeleitete Zuverlässigkeitsprüfung ist noch nicht einmal abgeschlossen.

Es ist geradezu absurd, wenn nun ausgerechnet der grüne Energiewendeminister Habeck diesen Betreiber veranlassen will, ein "Zwischenlager" Brunsbüttel bis mindestens 2040 zu betreiben.
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